Corny Littmann

Quelle: Wikipedia

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Corny Littmann – Theatermacher, Kiez-Ikone und Stimme eines offenen Hamburgs
Ein außergewöhnlicher Lebensweg zwischen Bühne, Politik und Fußball
Cornelius „Corny“ Littmann gehört zu jenen Persönlichkeiten, die sich keiner einzigen Rolle unterordnen. Geboren am 21. November 1952 in Münster, prägte er Hamburg über Jahrzehnte als Theatermacher, Schauspieler, Regisseur, Unternehmer und LGBT-Aktivist. Sein Name steht für eine Musikkarriere im weiteren, theatermusikalischen Sinn, für Bühnenpräsenz, für provokante Unterhaltung und für eine künstlerische Entwicklung, die aus Subkultur, Haltung und Entertainment eine unverwechselbare Marke formte. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Frühe Prägung: Hamburg, Coming-out und die Suche nach der eigenen Bühne
Die Biografie von Corny Littmann beginnt mit einem biografischen Einschnitt, der seine Haltung früh schärfte: Im Alter von acht Jahren verlor er seine Mutter nach einer Routine-Operation. Mit 17 kam er nach Hamburg, machte dort Abitur und begann ein Psychologiestudium, das er später abbrach. Schon mit 18 Jahren folgte sein Coming-out. Diese Stationen markieren den Anfang eines Lebens, das stark von Selbstbehauptung, Identität und öffentlicher Sichtbarkeit geprägt ist. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Früh zog es Littmann zur Schauspielerei und zur freien Szene. Er verstand Bühne nie nur als Ort der Unterhaltung, sondern als Raum für gesellschaftliche Auseinandersetzung. Seine künstlerische Entwicklung nahm dort Fahrt auf, wo Subkultur, politische Positionierung und Performance zusammenkamen. Genau daraus entstand jene Mischung aus Direktheit, Humor und Widerständigkeit, die sein Wirken bis heute auszeichnet. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Brühwarm: Politisches Theater mit Musik, Travestie und Haltung
Ein Schlüsselkapitel seiner Laufbahn ist das Theaterkollektiv Brühwarm, das Ende 1974 gemeinsam mit Hans-Georg Berger als Ödipus-Kollektiv entstand und sich 1976 umbenannte. Die Gruppe gilt als eine der ersten und bekanntesten schwulen Theatergruppen der Bundesrepublik. Ihre Arbeiten verbanden Sketche, Parodien, Lieder und Publikumsbeteiligung mit Themen wie Homosexualität, Verfolgung, Sexualität und Geschlechterrollen. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChwarm))
Musikhistorisch ist dieser Abschnitt besonders wichtig, weil Brühwarm eng mit Ton Steine Scherben und Rio Reiser kooperierte. Aus dieser Zusammenarbeit gingen die Alben Mannstoll und Entartet hervor, die die Lieder des schwulen Theaters einem größeren Publikum bekannt machten. Für Littmann bedeutete das: Musik, Theater und Aktivismus verschmolzen zu einer Form von Kulturarbeit, die zugleich politisch, emotional und publikumsnah war. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BChwarm))
Der Aufstieg auf St. Pauli: Schmidt Theater, Schmidts Tivoli und eine neue Form von Unterhaltung
1988 eröffnete Littmann mit drei weiteren Gesellschaftern das Schmidt Theater auf dem Spielbudenplatz auf St. Pauli. Mit dieser Gründung begann jene Phase, in der er weit über Hamburg hinaus bekannt wurde. Zusammen mit Lilo Wanders und Marlene Jaschke prägte er die „Schmidt“-Mitternachtsshow, in der Comedy, Musik und Artistik zu einer populären, zugleich pointierten Theaterform verschmolzen. Der Mix erhielt sogar den Grimme-Preis und machte das Haus zu einem Fixpunkt der deutschen Unterhaltungskultur. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
1991 folgte mit dem Schmidts Tivoli ein zweites Theater, 2015 kam das Schmidtchen im Klubhaus St. Pauli hinzu. Die Häuser arbeiteten erfolgreich und kamen ohne öffentliche Zuschüsse aus. Damit bewies Littmann nicht nur künstlerische Intuition, sondern auch unternehmerische Weitsicht: Er schuf eine dauerhafte Bühne für Musiktheater, Revue, Comedy und populäre Inszenierungen, die den Kiezcharakter von St. Pauli in ein markantes Kulturmodell übersetzten. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Regie, Hausproduktionen und musikalisches Erzählen
Nach dem Ende der Mitternachtsshow übernahm Littmann zunehmend auch Regiearbeiten. Zu seinen ersten Hausproduktionen gehörten Cabaret und kurz darauf Fifty-Fifty, eine 1950er-Jahre-Revue und zugleich die erste Zusammenarbeit mit Martin Lingnau als musikalischem Leiter und Hauskomponisten. Später folgten weitere Inszenierungen wie Sixty Sixty, Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical, Cavequeen – Du sammeln. Ich auch! und Oh Alpenglühn! – Glamour, Gaudi und Gesang. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Corny_Littmann))
Gerade hier zeigt sich Littmanns Expertise im Theatermusikalischen: Er denkt in Rhythmus, Zuspitzung und Publikumswirkung. Seine Produktionen leben von präzisem Timing, satirischer Überzeichnung, eingängigen Songs und einer klaren Bühnensprache. Das ist keine zufällige Revue-Ästhetik, sondern ein bewusstes Modell von Unterhaltung, das schwellenlose Zugänglichkeit mit Haltung und Formbewusstsein verbindet. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Corny_Littmann))
Der Unternehmer hinter der Kunst: Kampnagel, Preise und Verantwortung
Abseits der Reeperbahn war Littmann auch institutionell aktiv. Zwischen 1982 und 1985 leitete er freie Theatergruppen auf dem Kampnagel-Gelände, 1990 wurde er Vorstandsmitglied des Kampnagel-Trägervereins. Diese Stationen verdeutlichen seine Rolle als Netzwerker der Hamburger Kulturlandschaft. Er verstand Theater nicht nur als Show, sondern als Struktur, als Arbeitsraum und als kulturelle Infrastruktur. ([de-academic.com](https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/281055/1139060))
Sein Wirken blieb nicht ohne Anerkennung. 1999 wurde er als „Hamburger Unternehmer des Jahres“ ausgezeichnet, 2010 erhielt er den Max-Brauer-Preis der Alfred Toepfer Stiftung für Verdienste um das kulturelle, wissenschaftliche und geistige Leben Hamburgs. Solche Auszeichnungen unterstreichen seine Autorität als Kulturunternehmer, der Kunst, Ökonomie und Stadtidentität miteinander verknüpft hat. ([de-academic.com](https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/281055/1139060))
Politik, Protest und Sichtbarkeit
Corny Littmann war nie nur Theaterchef. Er kandidierte 1980 für die Grünen als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl und engagierte sich immer wieder öffentlich für Homosexuelle, gegen Nazis und für kulturelle Freiheit. Gerade die frühen Jahre mit Brühwarm und die späteren Jahre auf St. Pauli zeigen, dass seine künstlerische Laufbahn eng mit gesellschaftlichem Protest verbunden blieb. Seine Arbeit steht damit in einer Tradition politisch engagierter deutscher Bühnenkunst. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Als Präsident des FC St. Pauli von 2003 bis 2010 übernahm er auch im Fußball Verantwortung. Er brachte den finanziell angeschlagenen Verein wieder auf Kurs und begleitete dessen Rückkehr von der Regional- in die Bundesliga. Dass er als erster Klubboss offen schwul lebte, machte seine Präsidentschaft zu einem kulturpolitischen Signal über den Sport hinaus. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Corny_Littmann))
Kultureller Einfluss: Zwischen Kiez, Revue und gesellschaftlicher Debatte
Littmanns kultureller Einfluss reicht weit über einzelne Premieren hinaus. Er hat mit seinen Theatern eine Form von Hamburger Unterhaltung geschaffen, die populär, queer, politisch und wirtschaftlich tragfähig zugleich ist. Die Verbindung aus Musik, Comedy, Travestie und Schauspiel hat das Bild von St. Pauli nachhaltig mitgeprägt und den Kiez als kulturellen Raum international anschlussfähig gemacht. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Auch in Krisenzeiten blieb seine Stimme hörbar. Während der Corona-Pandemie kritisierte er die Benachteiligung der Theater- und Kunstszene durch Lockdowns und ausbleibende Hilfen. Diese Einlassungen passen zu seinem Gesamtbild: Littmann verteidigt Kunst als gesellschaftliche Notwendigkeit, nicht als dekoratives Beiwerk. Genau darin liegt die Dauerwirkung seiner Karriere. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Corny_Littmann))
Fazit: Warum Corny Littmann bis heute fasziniert
Corny Littmann ist spannend, weil er mehrere Lebenswelten auf seltene Weise vereint: Theater und Unternehmertum, queere Kultur und Massenpublikum, politische Haltung und kommerziellen Erfolg. Seine Biografie erzählt von Mut, Eigenständigkeit und der Fähigkeit, aus dem Kiez eine Bühne mit Strahlkraft zu machen. Wer deutsche Kulturgeschichte jenseits der üblichen Pfade verstehen will, kommt an ihm nicht vorbei. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Seine Arbeiten bleiben ein Appell an alle, die Theater als lebendigen Ort von Musik, Emotion und Haltung erleben möchten. Corny Littmann verkörpert eine Bühnenkultur, die unterhält, provoziert und verbindet. Ihn live zu erleben, heißt, Hamburger Kultur in ihrer konzentrierten, schillernden und kompromisslosen Form zu erfahren. ([ndr.de](https://www.ndr.de/kultur/buehne/Corny-Littmann-Der-ungekroente-Koenig-vom-Hamburger-Kiez%2Ccornylittmann103.html))
Offizielle Kanäle von Corny Littmann:
- Instagram: Kein offizielles Profil gefunden
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Quellen:
- Wikipedia - Corny Littmann
- NDR Kultur - Corny Littmann: Der ungekrönte König vom Hamburger Kiez
- Deutschlandfunk Kultur - Der Bühnenkönig von St. Pauli
- Wikipedia - Brühwarm
- Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. - Max-Brauer-Preis
- Schmidt Theater / Schmidts Tivoli - Corny Littmann
- Schmidts Tivoli - 30 Jahre in 30 Tagen
- Wikipedia: Bild- und Textquelle
