Die Ermittlung im Justizzentrum Gelsenkirchen: Theater als eindringliche Erinnerung


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Die Ermittlung: Dokumentartheater im Justizzentrum Gelsenkirchen
Am 10. November 2026 wird das Justizzentrum Gelsenkirchen zum Ort einer eindringlichen Schulvorstellung: Peter Weiss’ Die Ermittlung konfrontiert das Publikum mit den Aussagen aus dem ersten Frankfurter Auschwitzprozess. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich.
Wenn das Wort zum Bühnenbild wird
Peter Weiss’ 1965 uraufgeführtes Oratorium in elf Gesängen folgt der dokumentarischen Dramaturgie. Angeklagte, Zeuginnen und Zeugen, Verteidigung, Anklage und Gericht treten nicht als fiktionale Figuren im klassischen Sinn auf. Ihre Aussagen bilden das Material einer Inszenierung, in der die Sprache selbst den Raum öffnet.
Die Regie von Jens Dornheim setzt auf die konzentrierte Kraft des gesprochenen Wortes. Bühnenbild, Akustik und Theateratmosphäre dienen dabei nicht der Ablenkung, sondern der Präzision: Jede Aussage erhält Gewicht, jede Pause wird zum Moment des Nachdenkens. Die Publikumsreaktion entsteht aus der unmittelbaren Begegnung mit historischen Stimmen und menschlicher Verantwortung.
Ein Ensemble zwischen Professionalität und Erfahrung
22 professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler sowie spielerfahrene Amateure gestalten diesen Abend gemeinsam. Die Verbindung unterschiedlicher Bühnenerfahrungen verleiht der Inszenierung eine besondere Spannung: Schauspielkunst trifft auf dokumentarische Strenge, individuelle Präsenz auf die Vielstimmigkeit eines historischen Verfahrens.
Kompositionen von Danny Tristan Bombosch und die Kostüme von Angela Heid-Schilling ergänzen die Regiearbeit. Das Bühnenbild von Gesa Gröning schafft den visuellen Rahmen für eine Aufführung, die sich jeder Verklärung verweigert und den Blick auf Zeugenschaft, Erinnerung und Verantwortung richtet.
Ein Theaterbesuch als historisches Erinnern
Die Ermittlung zählt zu den zentralen Werken des dokumentarischen Theaters. Das Stück übersetzt den Frankfurter Auschwitzprozess in eine streng gegliederte Bühnenform und macht sichtbar, wie Rechtsprechung, Sprache und Erinnerung miteinander verbunden sind. Im Justizzentrum erhält diese Auseinandersetzung einen besonders eindringlichen Ort: Theater findet dort statt, wo gesellschaftliche Verantwortung unmittelbar verhandelt wird.
Fazit: Ein notwendiges Bühnenerlebnis
Die Schulvorstellung richtet den Blick auf ein anspruchsvolles Kapitel deutscher Geschichte und eröffnet Raum für gemeinsames Nachdenken. Besucherinnen und Besucher erwartet kein leicht konsumierbares Theater, sondern eine konzentrierte Inszenierung mit starker historischer und gesellschaftlicher Wirkung. Die Anmeldung erfolgt unter 0209 / 391 69 oder per E-Mail an trias@gelsennet.de.
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